Aktives Zuhören kann das Gesprächsklima verbessern, Vertrauen aufbauen und Verhandlungen positiv beeinflussen. Stephen Covey, Bestseller-Autor für effektives Leadership, sagte einmal: „Die meisten Leute hören nicht zu, um zu verstehen, sondern um zu antworten.“ Das bedeutet, oft geht es in Gesprächen nur darum, die besseren Argumente zu finden, Recht zu haben oder die eigene Geschichte zu erzählen.

Doch um langfristig privat und beruflich wertschätzende Beziehungen aufbauen und pflegen zu können, brauchen wir mehr gute Kommunikation. Diese kann gelingen, wenn sich die Partner auf Augenhöhe begegnen und an einem echten Austausch interessiert sind.

Denn, wie wir wissen, gibt es die eine Wahrheit nicht. Jeder Mensch hat eine eigene Wahrnehmung auf Basis seiner vergangenen Erfahrungen. Ein echter Dialog kann stattfinden, wenn beide Gesprächspartner*innen sich mitteilen wollen und versuchen, den*die anderen zu verstehen, im Sinne von „Wie denke und fühle ich? Wie denkst und fühlst du?“

Es geht also um die Absicht des neugierigen und aufmerksamen Zuhörens. Die Absicht, verstehen zu wollen. Und die Absicht, auch in dem*der Gegenüber eine gute Absicht zu erkennen, denn auch der*die Gesprächspartner*in ist ein Mensch wie du und ich. Wie du in Zukunft dein Gegenüber – beruflich und privat – besser verstehen kannst, zeige ich dir heute.

Das Harvard-Konzept nach Fisher und Ury

Durch eine offene Kommunikation lassen sich die Dinge ganz anders betrachten und Lösungen finden, die für beide Seiten wünschenswert sind. Möglich ist das zum Beispiel durch die Anwendung des Harvard-Konzeptes, welches bereits zu einer besseren Kommunikation in dem Friedensprozess in Mittelamerika oder den Verfassungsverhandlungen in Südafrika beitrug. 

Das im Jahr 1981 erschienene Buch mit dem Titel „Das Harvard-Konzept“ (englischer Titel: Getting To Yes), von Roger Fisher und William Ury, präsentiert folgende 4 Bedingungen, die es braucht, um eine interessensorientierte, konstruktive und friedliche Einigung in einer Konfliktsituation zu finden:

  1. Behandle Menschen und ihre Interessen (die Sachfragen) getrennt voneinander.
  2. Konzentriere dich auf die Interessen der Beteiligten und nicht auf ihre Positionen.
  3. Entwickle Entscheidungsoptionen (Auswahlmöglichkeiten). 
  4. Bestehe auf objektiven Beurteilungskriterien (bspw. gesetzliche Regelungen, ethische Normen etc.), um eine gemeinsame Übereinkunft bedingen zu können.1
Zuhören

Auf schwierige Gespräche vorbereiten

Doch bevor wir insbesondere schwierige Gespräche führen, lohnt sich noch ein genauerer Blick auf die Gesprächsvorbereitung. 

Chade-Meng Tan regt in seinem Buch „Search Inside Yourself“ an, sich vor allem mit den folgenden drei Fragen vorzubereiten:

  1. Was ist passiert? (Inhaltsgespräch)
  2. Welche Gefühle sind daran beteiligt? (Gefühlsgespräch)
  3. Was sagt das über mich? (Identitätsgespräch)

Im Identitätsgespräch geht es meist um die Fragen:

  • Bin ich kompetent?
  • Bin ich ein guter Mensch?
  • Bin ich liebenswert?2

So können wir selbst wahrnehmen, welche emotionalen Auswirkungen der Vorfall für uns hatte. Danach können wir uns in die Perspektive der anderen Person versetzen und uns auch dort ein Bild über die Situation machen.

Anschließend können wir noch überlegen, was eine dritte Person dazu sagen würde, ein stiller Beobachter.

Mit den Erkenntnissen aus all diesen Perspektiven können wir dann entscheiden, ob wir das Gespräch führen möchten oder nicht.

Normales und aktives Zuhören

Normales Zuhören vs. aktives Zuhören 

Laut des österreichischen Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick entsteht Kommunikation beim Empfänger, das bedeutet: nicht, was jemand sagt entscheidet über die Wirkung der Nachricht, sondern was der Empfänger versteht. 

Effektive Kommunikation beruht also primär auf der Kunst des Zuhörens.

Kennst du das: du hast ein Problem und du möchtest deinem Gegenüber davon berichten. Eigentlich möchtest du ein offenes Ohr für dein Problem finden – es geht dir in erster Linie noch gar nicht um die Lösungsfindung, geschweige denn um eine Bewertung.

Aber du bekommst direkt Lösungsvorschläge präsentiert oder dein Gegenüber erzählt die eigene Geschichte oder die eigenen Probleme. Und schon fühlst du dich nicht verstanden.

Doch nun denke mal an eine Situation, als du wirklich verstanden wurdest. Wie hat sich das angefühlt? Wie hat sich das auf deine Beziehung zu der Person ausgewirkt, die dich wirklich verstanden hat?

Erkennst du es? Zuhören ist nicht gleich Zuhören.

Was ist aktives Zuhören?

Aktives Zuhören unterscheidet sich vom normalen Zuhören dadurch, dass du deinem Gegenüber (aktiv) zeigst, dass du ihm*ihr gerade deine Aufmerksamkeit widmest und Wertungen vermeidest. 

Aktives Zuhören ist also Technik und Einstellung in einem.

Aktives Zuhören als Technik

Aktives Zuhören ist erlernbar. Es gibt verschiedene regelhafte Verhaltensweisen, die du einsetzen kannst, zum Beispiel:

  1. Nonverbale Aufmerksamkeitsreaktionen: Kopfnicken, Pausen zulassen, Ausreden lassen
  2. Paraphrasieren: Gehörtes zusammenfassen, Verständnisfragen stellen
  3. Empathisch zuhören: Wünsche und Gefühle heraushören und ansprechen, in das Gegenüber hineinversetzen

Aktives Zuhören als Einstellung

Aktives Zuhören als Einstellung drückt eine gewisse innere Grundhaltung aus, nach der jemand seinem Gegenüber grundsätzlich Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Respekt entgegenbringt.

Was sind die Ziele von aktivem Zuhören? 

Grundsätzlich verfolgt aktives Zuhören das Ziel eines besseren Miteinanders. Im Detail sind es vor allem die folgenden 4 Ziele, die diese Art des Zuhörens erreichen will.

1. Tiefere Verbindungen

Wenn wir uns wirklich für unsere Mitmenschen und ihre Geschichten interessieren, anstatt nur für Social Media und Netflix und wie wir egoistisch den größtmöglichen Nutzen für uns herausziehen können, dann schafft aktives Zuhören tiefere Verbindungen zu unseren Mitmenschen.

2. Gemeinsam Lösungen finden

Wenn wir wissen, wie unsere Mitmenschen sich fühlen und warum sie sich auf bestimmte Art und Weise verhalten, dann können wir gemeinsam kreativ Lösungen finden und Neues erschaffen – ein Verhalten, das wir auch dringend für die Zukunft benötigen.

3. Ein wertschätzendes Miteinander

Aktives Zuhören bewirkt ein menschliches Miteinander durch aufmerksamen, freundlichen und wertschätzenden Umgang.

4. Bessere Verhandlungen

Auch im Beruf bringt uns aktives Zuhören viele Vorteile. So kannst du zum Beispiel in Verhandlungen bessere Ergebnisse erzielen, da du die Motive und Ziele der anderen Seite kennst und darauf eingehen kannst.

Aktives Zuhören Übung

3 konkrete Übungen, um dein Gegenüber besser zu verstehen

Wenn du deine Fähigkeit des aktiven Zuhörens trainieren und verbessern möchtest, dann eignen sich besonders die folgenden 3 Übungen dafür.

1. Gezielt unaufmerksam sein (Negativbeispiel)

In der ersten Übung sollt ihr gezielt unaufmerksam eurem Gesprächspartner gegenüber sein. Denn hier wollen wir spüren, wie wir nicht zu einer offenen, wertschätzenden Kommunikation kommen.

  1. Person A erzählt vom heutigen Tag – Person B ignoriert Person A (bspw. durch wegschauen, gelangweiltes „Hmmmm“ sagen, herumtippen auf Laptop oder Handy) 
  2. Retour: Person B erzählt vom heutigen Tag – Person A ignoriert Person B 
  3. Austausch: „Wie hast du dich gefühlt, wie habe ich mich gefühlt?“ 

2. Danach: Aktives Zuhören

  1. Person A erzählt von einem herausfordernden Ereignis – Person B fragt, ob er*sie Person A richtig verstanden hat („Ich habe herausgehört, dass … Ist das richtig?“)
  2. Retour: Person B erzählt von einem herausfordernden Ereignis – Person A fragt, ob er*sie Person B richtig verstanden hat („Ich habe herausgehört, dass … Ist das richtig?“)
  3. Austausch: „Wie hast du dich gefühlt, wie habe ich mich gefühlt?“

3. Einfühlsames Zuhören  

  1. Person A erzählt von einem herausfordernden Ereignis – Person B fasst zusammen und fragt, wie Person A sich gefühlt hat („Du hörst dich traurig/ängstlich/verärgert/genervt an? – Antwort Person A“)
  2. Retour: Person B erzählt von einem herausfordernden Ereignis – Person A fasst zusammen und fragt, wie Person B sich gefühlt hat („Du hörst dich traurig/ängstlich/verärgert/genervt an? – Antwort Person B“)

Mögliche Rückfragen zum empathischen Zuhören sind:

  • „Ich habe gehört, …“
  • „Ich glaube, du hast gesagt …“
  • „Habe ich das richtig verstanden, du fühlst dich…?“
  • „Ich glaube, du empfindest …?“

Am Ende der Unterhaltung fragen: „War das Gespräch hilfreich für dich?“; „Sind alle Punkte aus deiner Sicht geklärt?“

Übrigens, eine gute Hilfestellung bei dieser Übung zur Auswahl der Gefühle bietet dir mein Gefühlsrad.

Fazit

Du siehst, Zuhören ist nicht gleich Zuhören. Im Kern des aktiven Zuhörens geht es darum, deinem Gegenüber nicht einfach nur passiv zuzuhören, sondern weiterhin aktiv am Gespräch beteiligt zu bleiben, auch wenn du selbst gerade nicht sprichst. 

Anstatt abzuschalten oder innerlich deine nächsten Argumente vorzubereiten, bleibst du beim aktiven Zuhören mit voller Aufmerksamkeit bei deinem Gegenüber – und zeigst dies durch bestimmte Techniken in Gestik, Mimik und Sprache.

Mein Programm FUTURE READY

Aktives Zuhören und erfolgreiche Kommunikation in allen Lebenslagen sind erlernbar. Zum Training der Selbstwahrnehmung in Gesprächen und zur Selbstreflexion unterstützt dich mein professionelles 1:1 Coaching. 

Wenn du dich umfassend mit der Weiterentwicklung deiner Kompetenzen für die Zukunft befassen möchtest, dann empfehle ich dir mein Coaching Programm FUTURE READY. 

FUTURE READY ist ein ganzheitliches Online-Coaching-Programm zur Persönlichkeitsentwicklung und zum Training deiner emotionalen Intelligenz.

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Quellen – Internetadressen:

Quellen – Bücher:

  • 1 Fisher, R.; Ury, W. et al. (2018). Das Harvard-Konzept: Die unschlagbare Methode für beste Verhandlungsergebnisse. DVA.
  • 2 Stone, D.; Patton, B. et al. (2000). Offen gesagt! Erfolgreich schwierige Gespräche meistern. Goldmann.

Brauchen wir mehr Emotionale Intelligenz oder ist es mehr Geld? Ist es mehr Ruhe? Noch mehr neue Erfindungen? Was ist es? Der Gründer von Google Search Insight Yourself, Chade-Meng Tan, hat den Traum vom Weltfrieden. Dieser kann mit Sicherheit einiges vereinfachen. Wo fängt dieser Frieden an? Mahatma Gandhi hatte geschrieben:

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt.“

Mahatma Gandhi

Wie kann das geschehen? Bei all meinen Forschungen bin ich auf das Thema „Emotionale Intelligenz“ gestoßen. Es lässt sich vieles darunter zusammenfassen. Es ist ein komplexes Thema. Aber auch unsere heutige Welt ist komplex. VUCA-Welt wird sie oft genannt. Das bedeutet V:olatile (volatil), U:ncertain (unsicher), C:omplex (komplex) und A:mbiguous (mehrdeutig). Aber nein, gingen wir eben noch davon aus, dass unsere Welt nur unsicher und komplex ist, stellen wir jetzt fest, dass Chaos unsere Welt prägt. Denn jetzt leben wir bereits in der BANI-Welt. Das bedeutet B:rittle (brüchig), A:nxious (ängstlich, besorgt), N:onlinear (nicht-linear) und I:ncomprehensible (unbegreiflich).

Wie kann man sich da auf den Weltfrieden konzentrieren? Ist dieser dann überhaupt noch erstrebenswert? Oder ist er nicht gerade deshalb erstrebenswert? Wir alle leben auf dieser Erde und es geht uns alle etwas an. Die Natur reagiert mit Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Überschwemmungen. Die Meere sind überschwemmt von Müll und der Ölteppich in Kalifornien wird zur Randnotiz. Wenn eine globale Pandemie alles außer Kraft setzt. – Worauf können wir uns dann noch verlassen?

Selbstwahrnehmung und soziale Kompetenzen

Auf uns selbst können wir uns verlassen. Mit innerer Stärke, Bewusstsein und unserer ganz eigenen Motivation. Wir selbst können uns ein stabiles Fundament errichten. Wir selbst können uns nähren und uns voll Mitgefühl begegnen. Auch wenn wir das nicht bewusst gelernt haben, so ist es doch in jeder Sekunde eine bewusste Entscheidung, dass wir es erlernen wollen. Und so kann die Veränderung von uns heraus beginnen.

Aber was wären wir alleine auf dieser Welt? Ist es doch bereits wissenschaftlich erwiesen, dass ein Baby ohne Berührung emotional verkümmert. Ist es doch erwiesen, dass uns unser Zusammenleben formt. Bereits im Kindesalter lernen wir durch Imitation unserer Bezugspersonen. Und dass soziale Isolation krank macht und zu Depression, Ängstlichkeit, Schlafstörung, Stress und Wut führen kann, auch das lehrt uns die Wissenschaft.

Nach all den Erforschungen steht fest: Die Welt braucht mehr Emotionale Intelligenz. Eine Meta-Fähigkeit, die wir weiter ausbauen können. Dazu mehr in meinem nächsten Artikel und natürlich auch in meinem ganzheitlichen Coaching Programm FUTURE READY.

Quelle Bild: https://pixabay.com/de/illustrations/erde-netzwerk-block-kette-globus-3537401/