Heutzutage wird alles kontrolliert. Und was noch nicht kontrolliert wird, wird schon bald reglementiert: Vergnügen, Geburtenkontrolle, Rechte, Diversität …

Doch was macht das mit uns, mit unseren Sinnen und Gefühlen? 

Menschen wollen frei kommunizieren und interagieren, sie wollen aneinander und miteinander wachsen. 

Genau das zeigen uns auch unsere Emotionen: wir erfahren ständig Inspirationen und Stimuli, von außen und von innen. Das sind Botschaften, die uns und unsere Sinne aktivieren.

Wir Menschen brauchen unsere Gefühle zum Leben. Ohne das Erfahren von Freude, Leidenschaft und Verletzbarkeit wäre unser Leben taub und wir wären isoliert. 

Ich beleuchte in diesem Beitrag, woher unsere Gefühle eigentlich kommen und warum sie so wichtig für uns sind.

Dazu gebe ich dir am Ende des Textes 4 wertvolle Übungen an die Hand, wie du deine Gefühle ganz einfach besser erspüren – und sie so auch besser steuern kannst.

Was ist der Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen?

Gefühle? Emotionen? Was bedeutet das eigentlich genau und gibt es einen Unterschied? 

Die Definition von Gefühlen und Emotionen sind ein großes Thema vieler Debatten unter Psychologen und Experten. 

Denn es ist nicht leicht, den Unterschied festzustellen – aber wir wollen versuchen, etwas Klarheit zu schaffen.

Emotionen

Sprechen wir zuerst einmal über Emotionen. Laut dem bekannten Autor und Emotionsforscher Paul Ekman gibt es die sechs grundlegenden Emotionen Angst, Wut, Traurigkeit, Freude, Ekel und Überraschung.1

Diese Emotionen treten als automatische Antworten von bestimmten Reizen auf. Sie sind somit erstmal unbewusst. Emotionen aktivieren unsere Gedanken, Einstellungen und Überzeugungen und beeinflussen auf diese Weise, wie wir die Situation wahrnehmen und interpretieren – was letztendlich bestimmt, wie wir handeln.

Gefühle

Gefühle sind die subjektiven Wahrnehmungen unserer Emotionen – das bedeutet, die Art und Weise, wie wir unsere Emotion interpretieren. Gefühle sind somit bewusster und rationaler als Emotionen.

Jeder Mensch interpretiert eine Emotion aufgrund seiner Erfahrungen, Überzeugungen und seiner Persönlichkeit anders und bringt dadurch auch unterschiedliche Gefühle zutage. 

Wir können also festhalten, dass Emotionen unbewusst produziert werden und Gefühle die bewusste Form der Emotionen sind. 

Gefühle haben eine rationalere Komponente. Stelle dir vor, du bekommst eine Zusage für deinen Traumjob. Die Emotion, die das in dir auslösen würde, wäre Freude. Zufriedenheit, Optimismus und Dankbarkeit wären wiederum Gefühle, die aus dieser Emotion entstehen würden.2

Emotionen können wir nicht steuern. Wir können aber lernen, unsere Gefühle rechtzeitig zu spüren und mitzubestimmen, in welcher Intensität wir ihnen Ausdruck verleihen.3

Emotionen
Quelle: Adobe Stock

Warum haben wir Gefühle und Emotionen?

Unsere Gefühle und Emotionen bilden für uns unser ureigenes Radarsystem. Ein neurochemisches System, das entstanden ist, um uns beim Navigieren durch die komplexen Stromschnellen des Lebens zu helfen. 

Wenn unsere Sinne Informationen aufnehmen – zum Beispiel Gefahr, Zuneigung, Abweisung oder Akzeptanz – passen wir uns körperlich an diese Botschaften an.

Unser Herz schlägt schneller oder langsamer, unsere Muskeln spannen oder entspannen sich, unser geistiger Fokus richtet sich auf die Gefahr oder geht auf in der Wärme menschlicher Gesellschaft. 

Aus unseren Emotionen heraus können wir sogar unseren Weg, unsere Motivation erkennen: 

Was bringt uns Freude? Wofür würden wir nachts aus dem Bett springen? Welche Vision von dieser Welt schafft uns ein wohliges Gefühl? 

Emotionen und Gefühle helfen uns dabei, ein aufschlussreiches Bild dessen zu erzeugen, was gerade geschieht – und darauf dann zu reagieren.

Wie uns Emotionen und Gefühle aus unserer Kindheit im Erwachsenenalter beeinflussen können

Bereits bei Neugeborenen und Kindern wirken Emotionen wie der innere Kompass. Sie können Gefahr, genauso wie Zuneigung, erkennen und darauf (auf gewisse Art und Weise) reagieren. 

Die äußere Welt stimuliert uns und unsere Sinne von klein an mit Input.

Wie erfolgte die Bedürfnisbefriedigung als Kind?

Für unser Verhalten im Erwachsenenalter ist entscheidend, wie unsere Bedürfnisbefriedigung als Kind erfolgte. 

Haben wir die Welt kennenlernen dürfen als einen sicheren Ort? Oder mussten wir bereits im frühen Kindesalter erlernen, dass überall Gefahr droht und Gefühle nicht geäußert werden dürfen?

In Familien, in denen nicht über Gefühle gesprochen wird, erlernen Kinder die emotionale Sprache nicht und müssen das dann später mühevoll nachholen – soweit möglich. 

Frühe Kindheitserlebnisse prägen immer auch unsere Gefühle im Erwachsenenalter. Wenn uns ein bestimmter Input triggert, kann es sein, dass wir in die Luft gehen. 

Doch das muss uns nicht passieren: denn zwischen Reiz und Reaktion gibt es immer einen Raum.

Gehirn Reiz Reaktion
Quelle: Adobe Stock

Das Reiz-Reaktionsmodell von Viktor Frankl

Kennst du Viktor Frankl (1905 – 1997)? Er war der österreichische Neurologe und Psychiater, der die Logotherapie und Existenzanalyse begründete, die vielfach auch als die „Dritte Wiener Schule der Psychotherapie“ bezeichnet wird.

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“

Viktor Frankl

Bekannt wurde Frankl durch sein Buch „… trotzdem ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“, in welchem er sich mit seinen grausamen Erlebnissen dort auseinandersetzt.

Er berichtet, wie den KZ-Häftlingen nicht nur ihr privates Hab und Gut, sondern auch ihre Hoffnung und ihre Würde genommen wurden.

Als einzige Freiheit blieb ihnen nur noch die innere Haltung und ihre persönliche Entscheidungsfreiheit der Reaktion.

Natürlich können wir die furchtbaren Erlebnisse von Frankl und all den anderen Häftlingen nicht mit unserer heutigen Zeit vergleichen, zumindest nicht in Deutschland. 

Doch auch heute gibt es vielfältige Reize, die ständig eine Reaktion von uns fordern. 

Wir können an einem Reiz nichts ändern. 

Doch wir können selbst entscheiden, in welcher Intensität wir darauf reagieren. 

Und das kannst du sogar in deinem Alltag trainieren.

Gehirntraining - Psychologische Sicherheit
Quelle: Adobe Stock

4 einfache Übungen, dich deiner Emotionen und Gefühle bewusster zu machen

Wenn du deine Emotionen spürst und verstehst, kannst du auch deine Gefühle verstehen und lenken. 

Gefühle zu unterdrücken oder zu leugnen, macht keinen Sinn. Denn wie am Anfang dieses Textes erklärt, dienen sie dazu, uns durchs Leben zu lenken.

Doch wenn du zum Beispiel in bestimmten Situationen regelmäßig explodierst, dann kannst du diese Reaktion mit etwas Training abschwächen und dadurch vielleicht einige Unstimmigkeiten oder Streitereien vermeiden.

1. Übung: Trigger aufschreiben und bewusst machen

Nimm dir für die erste Übung einfach einen Stift und ein Blatt Papier zur Hand. Schreibe auf, in welchen Situationen du immer explodierst. Gibt es Ähnlichkeiten? Gibt es bestimmte Trigger, die deinen Gefühlsausbruch auslösen? 

Wenn du diese für dich identifiziert hast, ist der erste Schritt getan: Du machst sie dir bewusst. 

Dadurch wird es dir möglich, schon jetzt für dich zu definieren: „Wenn ich dieses Ereignis kommen sehe oder dieses Gefühl wahrnehmen, dann mache ich eine Pause, zum Beispiel 3 tiefe Atemzüge oder bewusst den Platz wechseln.“

Somit gibst du dem Reiz die Möglichkeit, nach der Fahrt auf der Schnellstraße zur Amygdala (Wächterin des Gehirns) auch bis zu deinem Neokortex vorzudringen, so dass eine bewusstere, kognitive Analyse möglich wird.

2. Übung: im Körper spüren, was gerade ist (Mindfulness)

Für die zweite Übung schließt du deine Augen oder lässt sie entspannt auf den Boden blicken. Versuche, in deinen Körper zu spüren, um dir deiner Gefühle bewusster zu werden. Was ist gerade? Was fühlst du? Wo spürst du das? 

Und dann stelle dir mal die Fragen: 

  • Was fühle ich?
  • Was brauche ich?
  • Was kann ich jetzt tun?

3. Übung: das Gefühlsrad nutzen

Um dir mit der dritten Übung deiner Emotionen und Gefühle bewusster zu werden, kannst du dich auch eines Hilfsmittels bedienen: das Gefühlsrad, welches du in meinem Beitrag „Gefühle wahrnehmen und ausdrücken“ findest.

4. Übung: Journaling

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Schreiben mit der Hand uns Klarheit verschafft. Es regt unsere Kreativität an und hilft uns, die Gedanken zu sortieren.4

Wenn dir das Schreiben mit der Hand besonderen Spaß macht, eignet sich die vierte Übung für dich: nimm dir ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand.

Wenn du magst, stelle dir klassische Musik im Hintergrund an.

Und dann schreibe einfach darauf los.

10 Minuten lang (du kannst dir einen Timer stellen), ohne den Stift abzusetzen. Schreibe einfach auf, was dir im Kopf vorgeht.

Achte nicht auf richtigen Satzbau oder korrekte Grammatik.

Es geht nur darum, deine Gedanken durch den Stift auf das Papier fließen zu lassen, um dir deiner Gefühle bewusster zu werden.

Emotionale Intelligenz
Quelle: Adobe Stock

Fazit: die emotionale Intelligenz und ihre Bedeutung für unsere Welt

Wenn du deine eigenen Emotionen und Gefühle kennst und deuten kannst, so kannst du auch die Gefühle und Bedürfnisse anderer deuten und wertvolle Beziehungen aufbauen. 

Denn was benötigt der Mensch als soziales Wesen mehr als ein wertschätzendes Miteinander?

Auch Organisationen und Unternehmen können nur mit der Fähigkeit der emotionalen Intelligenz erfolgreich sein.

Generell geht es heute vor allem darum, uns unserer eigenen und der Einstellungen, Emotionen und Handlungsweisen unserer Mitmenschen bewusst zu werden, sie zu verstehen und intelligent mit ihnen umzugehen.

Denn nur so werden wir langfristig über- und miteinander -leben können.

Wenn du mehr zum Thema der emotionalen Intelligenz erfahren möchtest, dann buche dir hier gerne ein kostenfreies Erstgespräch bei mir.

Quellen – Internetadressen:

  • dieter-jenz.de/lc/zwischen-reiz-und-reaktion-liegt-ein-raum-frankl/
  • 1 paulekman.com/wp-content/uploads/2013/07/Basic-Emotions.pdf
  • 2 ifeelonline.com/en/ifeel-therapies/do-you-know-the-difference-between-feelings-and-emotions/
  • 3 counseling.online.wfu.edu/blog/difference-feelings-emotions/
  • 4 forschung-und-lehre.de/forschung/warum-wir-wieder-mehr-mit-der-hand-schreiben-sollten-2504

Quellen – Bücher:

  • David, S. (2020). Emotionale Beweglichkeit. Für freie Entfaltung mit klarem Blick und offenem Geist. Unimedica im Narayana Verlag.
  • Frankl, V. E. (1998). … trotzdem ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager. dtv.

Psychologische Sicherheit ist ein Gefühl, also die Wahrnehmung, dass ich mich in einer Umgebung befinde, die sicher ist und die darüber hinaus geeignet dafür ist, Risiken einzugehen. Dieses Gefühl entsteht im Grunde genommen, wenn Menschen offen miteinander kommunizieren können und sich so einbezogen fühlen, lernen können und bereit sind, auf festem Grund den Status Quo zu hinterfragen. Hier geht es also in erster Linie um Vertrauen und Zutrauen.

Amy Edmondson hat den Ausdruck der psychologischen Sicherheit in Zusammenhang mit der Arbeit in Teams weltweit bekannt gemacht. 

Ich erkläre dir heute, wie psychologische Sicherheit entsteht, warum sie gerade jetzt so wichtig für unsere Gesellschaft ist und wie du sie selbst trainieren kannst. 

Psychologische Sicherheit: Definition und Forschung

Psychologische Sicherheit gilt heute als eine vertrauensvolle Atmosphäre zwischen Menschen, in der sich alle offen äußern können, ohne Angst vor Zurechtweisung, Beschämung oder sonstigen negativen Sanktionen haben zu müssen. 

In einer Atmosphäre der psychologischen Sicherheit ist es möglich und erwünscht, Fragen zu stellen, Fehler zu machen, Informationen zu teilen oder seine eigene Meinung zu äußern. 

Eine kurze Geschichte der psychologischen Sicherheit

Zum ersten Mal tauchte der Begriff in der Forschung auf: nämlich in dem 3-Phasen-Modell von Kurt Lewin, in dem es um die Darstellung sozialer Veränderungen in Gruppen und Gemeinschaften geht (1947).1

Darauffolgend untersuchten Edgar Schein und Warren Bennis (1965) sowie William Kahn (1990) in verschiedenen Studien, wie wichtig psychologische Sicherheit für die Transformation und für das organisationale Verhalten ist.2,3

In den 1990-er Jahren begründete dann Amy Edmondson ihr Konzept der psychologischen Sicherheit. Bis heute wird ihre Arbeit in unterschiedlichen Forschungen aufgegriffen und bestätigt – weshalb ich darauf im Folgenden noch etwas näher eingehe.

Amy Edmondson und die Geheimnisse erfolgreicher Teams

Amy Edmondson lehrt als Professorin an der Harvard Business School über Führung und Management. Sie widmet sich den Themen der Geheimnisse erfolgreicher Teams, des Lernens in Organisationen und der psychologischen Sicherheit. 

In ihren Arbeiten zur Fehlerforschung fand sie heraus, dass die Leistung eines Teams umso besser ist, desto mehr Fehlermeldungen es innerhalb dieses Teams gibt. 

Das bedeutet, dass erfolgreiche Teams nicht quantitativ mehr Fehler als andere machen. Sondern dass sie diese Fehler offen ansprechen.4 

In einem Interview von David Green (2020) definierte Amy Edmondson psychologische Sicherheit folgendermaßen (sinngemäß):

„Es ist die gemeinsame Überzeugung, mich in einer Umgebung zu befinden, in der zwischenmenschliche Risiken eingegangen werden können. In der ich also zum Beispiel Hilfe erbitten, einen Fehler zugeben oder ein Projekt kritisieren kann. Nicht gemeint ist eine Wohlfühlumgebung, in der sich alle dauernd auf die Schulter klopfen“.

Amy Edmondson, Professorin an der Harvard Business School

„Also eine Umgebung, in der sich die Menschen trauen, den Mund aufzumachen?“, fragte David.

„Genau das. Leichter gesagt als getan“, antwortete Amy.

Das bedeutet: alle müssen sich gehört fühlen.

Das Forschungsprojekt „Aristoteles“ von Google

Auch Google ist der Frage nachgegangen, was ein Team erfolgreich macht. Innerhalb von 2 Jahren wurden über 200 Google-Mitarbeiter befragt und mehr als 180 Teams beobachtet. 

Das Ziel: herauszufinden, welches die optimale Formel für die Zusammenstellung von Fach- und Sozialkompetenzen ist.

Das Ergebnis: der Erfolg eines Teams hängt davon ab, wie die Teammitglieder miteinander agieren, ihre Arbeit strukturieren und ihren eigenen Beitrag wahrnehmen. 

Laut Googles Studie gibt es folgende 5 Schlüsselfaktoren für erfolgreiche Teams:

  1. Psychologische Sicherheit
  2. Zuverlässigkeit
  3. Struktur und Klarheit
  4. Bedeutung der eigenen Arbeit für sich selbst
  5. Auswirkungen der Arbeit6

Zusammengefasst: laut Googles Studie braucht es für den Erfolg eines Teams eine offene Kommunikation, ein klares Ziel und das Gefühl jedes Einzelnen, an der Erfüllung dieses Zieles mitzuwirken.

Das bedeutet wiederum: erfolgreiche Teams hängen auch von der psychologischen Sicherheit ihrer einzelnen Mitglieder ab. Nur, wenn der Einzelne sich psychologisch sicher fühlt, kann er im Team erfolgreich sein.

Es stellt sich also nun die Frage, wie psychologische Sicherheit denn eigentlich in jedem Einzelnen entstehen kann. Das erkläre ich dir im folgenden Abschnitt.

Das Forschungsprojekt „Aristoteles“ von Google
Quelle: Adobe Stock

Wie entsteht psychologische Sicherheit?

In Teams

Laut Amy Edmondson entsteht psychologische Sicherheit in Teams, wenn folgende Eigenschaften gegeben sind: 

  • Offen die eigenen Meinung äußern können
  • Jede*r spricht gleich viel
  • Soziale Empathie muss vorhanden sein
  • Fehler dürfen gemacht und besprochen werden
  • Individuelle Stärken, Talente und Fähigkeiten werden geschätzt7

Doch bevor psychologische Sicherheit in Teams entstehen kann, muss dies in meinen Augen erstmal in jedem Einzelnen geschehen.

In jedem Einzelnen

In uns selbst ist das Gefühl von Sicherheit auf der einen Seite durch die Qualität unserer zwischenmenschlichen Beziehungen bestimmt.

Wenn wir wissen, dass wir Menschen haben, denen wir vertrauen können, gibt das Sicherheit. 

Vertrauen entsteht in der Kindheit, je nach Bindung zu den Bezugspersonen. Bereits Kinder lernen, dass es Menschen gibt, denen sie vertrauen können. Dass Menschen füreinander da sind und altruistisch handeln können. 

Auf der anderen Seite verstärkt das Vertrauen in sich selbst – das Selbstvertrauen – auch das Gefühl der psychologischen Sicherheit.

Wenn ich weiß, was ich für Fähigkeiten, Kenntnisse und Ressourcen habe, gibt mir das ein sicheres Gefühl. 

Was passiert, wenn wir uns psychologisch nicht sicher fühlen?

Wenn wir uns nicht sicher fühlen, dann kommen wir in den Stressmodus:

Wir produzieren die beiden Stresshormone Kortisol und Adrenalin und sind so nicht mehr in der Lage, klare Entscheidungen zu treffen. Wir reagieren, statt zu agieren.

Gefühle wie Kreativität und Mitmenschlichkeit werden eingeschränkt, unser Gehirn will nur noch unser Überleben sichern. 

Ein Zustand, der, wenn er lange anhält, krank macht – physisch und psychisch. 

Psychologische Sicherheit
Quelle: Adobe Stock

Psychologische Sicherheit in unserer aktuellen Zeit (BANI)

Unsere Welt ist komplex. Und seit jeher sind wir Menschen bemüht, eine Struktur für das Unbestimmte zu schaffen – also mit Modellen die Dynamiken des Wandels zu erklären.

In den letzten Jahrzehnten hat uns das VUCA-Konzept dabei geholfen. Es entstand in den 1980er-Jahren und beschreibt die Welt als:

V = Volatile (volatil)

U = Uncertain (unsicher)

C = Complex (komplex)

A = Ambiguous (mehrdeutig)

Doch heute stehen wir an der Schwelle zu einer Welt, die von Chaos geprägt ist: Politisches Chaos, Klimakatastrophe, globale Pandemie.

Das bisherige Modell VUCA scheint plötzlich unzureichend zu sein, um alltägliche Störungen zu erkennen, zu erklären und darauf zu reagieren. 

Deshalb entstand das, auf die Situation angepasste, Modell BANI, das Jamais Cascio in seinem Medium-Beitrag „Facing the age of chaos“ als neue Sinnstruktur ins Leben gerufen hat.9

Das Akronym BANI steht für:

B = Brittle (brüchig)

A = Anxious (ängstlich)

N = Non-linear (nicht-linear)

I = Incomprehensible (unbegreiflich)

BANI steht für eine neue Möglichkeit, den gegenwärtigen Zustand der Welt besser artikulieren zu können, um darauf zu reagieren.

Wie hilft uns BANI dabei, psychologische Sicherheit herzustellen? 

Für so viele Menschen auf der Welt sind die aktuellen Ereignisse zu unverständlich, zu unkontrollierbar, zu gewaltig, als dass man sich angemessene Reaktionen vorstellen könnte.

Doch es muss nicht so sein. 

Denn wir wollen nicht über-leben, sondern leben.

Wir wollen Freude, uns weiterentwickeln, vertrauen können und mit unseren Potentialen die Welt gestalten können. 

Dafür benötigen wir psychologische Sicherheit. 

Und diese können wir trainieren.

Gehirntraining - Psychologische Sicherheit
Quelle: Adobe Stock

Dafür geben uns die Bestandteile des Akronyms BANI sogar die Möglichkeiten, denn:

B = Brüchigkeit kann mit Widerstandsfähigkeit begegnet werden.

A = Angst kann durch Empathie und Achtsamkeit gemildert werden.

N = Nichtlinearität erfordert Kontext und Flexibilität.

I = Unbegreifbarkeit verlangt nach Intuition.

Eine dazu passende Übung, die du regelmäßig für dich allein durchführen kannst, erkläre ich dir im folgenden Abschnitt. 

Übung, um das Gefühl der psychologischen Sicherheit aktiv zu trainieren 

  1. Nimm dir 30 Minuten Zeit für dich. Hole dir ein Blatt Papier und einen Stift. Mache es dir gemütlich und lasse ruhige Musik im Hintergrund laufen, wenn du das möchtest.
  2. Schreibe nun all deine positiven Charaktereigenschaften auf.
    Tipp: Frage doch mal Freunde, Kolleg*innen und Verwandte, was sie an dir mögen. Auch das sind wertvolle Schätze. 
  3. Nun blicke auf dein Leben. Achte auf alles, was dich ausmacht, auf alles, was du bereits erreicht hast! Und nun schreibe 30 Dinge auf, die dich einzigartig machen: „Ich bin einzigartig, weil …“

Zum Beispiel:

Ich bin einzigartig, weil …

… ich in ein fremdes Land gezogen bin.

… ich eine großartige Familie gegründet habe.

… ich mein Studium vollendet habe.

… ich ein Kunstwerk geschaffen habe.

… ich meiner Familie mit Rat zur Seite stehe.

Schreibe alle 30 Dinge zu deinen positiven Eigenschaften und trage diesen Zettel immer bei, so dass du ihn dir ansehen kannst, wenn es dir einmal nicht so gut gehen sollte.

Tipp: Schaue regelmäßig auf deine Erfolge zurück. Gemäß den Forschungen der positiven Psychologie braucht unser Gehirn 3 positive Erfahrungen, um 1 negative aufzuwiegen. Die bewusste Veränderung der Perspektive auf die Dinge gibt uns die Kraft, die wir in einer komplexen Welt brauchen.

Fazit

Psychologische Sicherheit entsteht durch die positive Qualität von Beziehungen – sowohl der Beziehung zu einem selbst als auch der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Sie ist essenziell für unser aller Zusammenleben, denn generell geht es darum: 

Wenn wir uns sicher fühlen, sind wir empathischer, innovativer und leben gesünder.

Gerade in unserer heutigen BANI-Zeit (brüchig, ängstlich, nicht-linear, unbegreiflich) brauchen wir das Gefühl der psychologischen Sicherheit, um im weltweiten Chaos angemessen agieren zu können. 

Ich möchte dir sagen: vertraue dir und deinen Talenten und Fähigkeiten. Konzentriere dich auf dich selbst, vergleiche dich nicht mit anderen. Du bist perfekt, so wie du bist.

Sei dankbar für alle Talente, die nur du in dieser einzigartigen Kombination besitzt. Und behandle dich selbst wie deinen besten Freund.

Mein Programm FUTURE READY

Wenn du das Gefühl der psychologischen Sicherheit gerne trainieren und zu deinen eigenen Schätzen finden möchtest, dann empfehle ich dir mein Online-Coaching-Programm FUTURE READY.

FUTURE READY ist mein ganzheitliches Online-Coaching-Programm, in dem du lernst, deine Potenziale in diesen Zeiten des Wandels mit Haltung und Klarheit einzubringen. Alle Module bauen logisch aufeinander auf und wir arbeiten mit den Bausteinen deiner ganz eigenen emotionalen Intelligenz. Ganz in deinem eigenen Tempo und wenn du es wünscht, mit individueller Begleitung durch professionelle 1:1 Coachings.

Quellen

Bücher:

  • Edmondson, A. C. (1999). Psychological safety and learning behavior in work teams. Administrative Science Quarterly, 44.
  • Edmondson, A. C. (2003). Framing for Learning: Lessons in Successful Technology Implementation. California Management Review, Volume: 45 issue: 2.
  • Kahn, William A. (1990). Psychological Conditions of Personal Engagement and Disengagement at Work: Academy of Management Journal.
  • Schein, Edgar H. and Bennis, Warren G. (1965). Personal and Organizational Change Through Group Methods: The Laboratory Approach.

Zeitschriften:

  • Harvard Business Manager, Spezial 2021. manager magazin new media GmbH & Co. KG.

Podcast:

  • Green, D. (2020): Summer Special: How to Create Psychological Safety at Work with Amy Edmondson. Podcastinterview, 14.07.2020; www.myhrfuture.com

Links: 

  • https://www.ckju.net/de/blog/dem-geheimnis-der-psychologischen-sicherheit-auf-der-spur-was-sagen-die-forschungsergebnisse/28092 (Zuletzt abgerufen: 03.12.2021)
  • https://de.wikipedia.org/wiki/3-Phasen-Modell_von_Lewin (Zuletzt abgerufen: 03.12.2021)
  • https://juttaheller.de/resilienz/resilienz-abc/psychologische-sicherheit/ (Zuletzt abgerufen: 03.12.2021)
  • https://www.anti-bias.eu/wissen/definitionen/psychologische-sicherheit-definition/ (Zuletzt abgerufen: 03.12.2021)
  • https://rework.withgoogle.com/guides/understanding-team-effectiveness/steps/introduction/ (Zuletzt abgerufen: 03.12.2021)
  • https://medium.com/@cascio/facing-the-age-of-chaos-b00687b1f51d (Zuletzt abgerufen: 03.12.2021)

1990 wurde dieser Begriff von Salovey und Mayer das erste Mal geprägt. In der Physik liegen die ersten Forschungen bereits über 400 Jahre zurück. Mit der Neurowissenschaft beschäftigen sich die Wissenschaftler erst um die 50 Jahre. So macht es der Titel „Emotionale Intelligenz – Eine Definition“ etwas herausfordernd, da hier erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit geforscht wird. Und doch geben uns die Forschungsergebnisse bereits kraftvolle Erkenntnisse für unsere komplexe BANI Welt.

In dieser Welt stellt Emotionale Intelligenz eine Schlüsselfähigkeit dar. Pandemie, Klimakatastrophen, allgemeine Unsicherheiten: Wir befinden uns im Zeitalter des Chaos. BANI steht für brittle (brüchig), anxious (ängstlich, besorgt), non-linear (nicht-linear) und incomprehensible (unbegreiflich). Um so wichtiger wird es, die Definition für Emotionale Intelligenz näher zu beleuchten.

Überall ist Wandel

Unsere gesamte Welt befindet sich im Wandel. Klimawandel, politischer Wandel, Wirtschaftswandel, Arbeitswelt im Wandel. Alles verändert sich sekündlich in einer Vielfalt und Komplexität, die noch nie da gewesen ist. Wir können uns das vorstellen, wie die Wellen vor Bali’s Küste. Das Meer ist in ständiger Bewegung mit starker Strömung. Die Wellen zeitweise unberechenbar und wir versuchen auf der Welle des Lebens zu surfen. Aber manchmal haben wir das Gefühl, die Macht und Vielfalt dieser Wellen könnten uns den Boden unter unseren Füßen wegreißen. Wir sind in ständiger Alarmbereitschaft. Statt zu agieren, reagieren wir nur noch. Wir versuchen alle Dinge gleichzeitig zu bewältigen, versuchen allen Anforderungen und Terminen gerecht zu werden und realisieren nicht, dass unser Körper und Geist nur noch auf Autopilot laufen.

In den Gestaltungsraum kommen

Wir brauchen eine Auseinandersetzung mit der Definition für Emotionale Intelligenz. Denn was wir wollen, ist AUF der Welle schwimmen. Wir wollen die Welle nehmen und in die Richtung unseres Ziels steuern. Dafür brauchen wir Kraft und innere Stärke. Wir brauchen die Erkenntnis über unsere ganz eigenen Ressourcen und wie wir diese in dieser Welt einbringen wollen. Dafür benötigen wir ein Bild unserer persönlichen Vision. In der Firmenwelt ist es üblich, sich zu fragen „Wofür machen wir was?“ gefolgt von „Was machen wir?“. Das ist aber nicht nur für Organisationen entscheidend. Für jeden einzelnen Menschen ist es in stürmischen Zeiten wie ein Anker die eigene Vision – das WOFÜR – und die eigenen Ziele zu kennen. Und für all das brauchen wir Eigenschaften wie Kreativität, starke Überzeugungskraft, ausgeprägte soziale Kompetenzen, Resilienz und die Ruhe, um laufend Neues zu Erlernen – kurz gesagt, wir brauchen Emotionale Intelligenz.

Emotionale Intelligenz - Eine Definition mit Hilfe der einzelnen Bausteine
Quelle: AdobeStock

Die Bausteine Emotionaler Intelligenz zur Definition

1995 erschien Daniel Golemann’s Bestseller „EQ Emotionale Intelligenz“. In diesem Buch beschreibt er, dass nicht nur unsere rationale Intelligenz, der sogenannte „kühle Kopf“, sondern auch unsere emotionalen Fähigkeiten für ein erfolgreiches Leben ausschlaggebend sind. Dabei stellt der emotionale Quotient (EQ) eine komplexe Komposition dar. Zur Erforschung dieses Begriffes bedient sich Daniel Golemann verschiedener Forschungsansätze, so auch aus der Hirnforschung und der Kognitionswissenschaft. Und so erhalten wir eine umfangreiche Definition Emotionaler Intelligenz. Diese besteht nach Daniel Golemann aus 5 einzelnen Bereichen:

1. Emotionale Selbstwahrnehmung

Hier geht es darum, die eigenen Gefühle und Emotionen zu erkennen. Unserer Gefühlswelt ist so vielfältig. Auch dieses Gefühlsrad kann diese Vielfalt nur vereinfacht wiedergeben. Wir dürfen uns laufend bewusst machen, was gerade in uns ist, was wir gerade brauchen. Fühlen wir uns hungrig? Ist uns kalt? Sind wir müde und erschöpft? Oder freudig erregt? Was ist hier? Das zu erkennen, ist der erste Schritt zur Selbstwahrnehmung. Am besten gelingt uns das mit dem zur Ruhe kommen. Die Kunst liegt hier im Nichts-tun und in der Stille unserer Gedanken. Das wird auch in den Bereichen Achtsamkeit, Resilienz und Meditation behandelt. Wir dürfen in eine ständige Übung gehen, unsere Gedanken zu beruhigen.

2. Emotionale Selbstregulierung

Das Erkennen und Wahrnehmen unserer Gefühle hilft uns zu verstehen, was jetzt ist. Ein Reiz hat uns ereilt. Zum Beispiel ist ein gewünschtes Ereignis ist nicht eingetreten. Wir bemerken ein Gefühl. Wir nehmen es bewusst wahr. Zum Beispiel könnten wir enttäuscht sein. Jetzt können wir natürlich automatisch reagieren. Wir könnten wütend sein, weinen oder stampfen. Wir können uns aber auch darüber bewusst werden, dass wir die Macht darüber haben, wie wir handeln möchten. Es geht in diesem Baustein zur Definition der Emotionalen Intelligenz um die Fähigkeit, mit herausfordernden Ereignissen oder negativen Emotionen umzugehen. Wenn wir unsere Handlungen bewusst bestimmen, können wir unser Befinden beeinflussen. Somit können wir uns stärker auf das Positive ausrichten. Wir können uns auf unsere Wünsche und Ziele fokussieren. Der Top Tipp: 3-mal tief und bewusst durchatmen wenn wir die Gefühle wahrnehmen, bevor wir handeln.

3. Motivation

Für die Definition Emotionaler Intelligenz ist es ebenfalls wichtig, wie sehr wir uns selbst motivieren können. Wofür stehen wir morgens auf? Was macht uns glücklich? Was ist unsere persönliche Lebensvision? Es gibt uns enorme Kraft wenn wir uns dafür einsetzen, was uns wichtig ist. Das macht uns widerstandsfähig gegenüber den äußeren Umständen. Motivation lässt sich an drei Punkten ausmachen: Ausrichten – Ausmalen – Ausharren bis das Ziel erreicht ist. Denn wer nicht Schwimmen kann, sollte auch nicht surfen.

4. Empathie

Eine Eigenschaft von Empathie ist, zu wissen, wie sich jemand fühlt. Das nachempfinden zu können, was jemand gerade durchmacht und im Anschluß einfühlsam auf den Menschen einzugehen. Empathische Menschen verstehen die Gefühle andere. Sie können die Gedankengänge ihres Gegenübers nachvollziehen. Sie sind in der Lage, liebevoll darauf einzugehen. Am besten lässt sich Empathie durch aktives und mitfühlendes Zuhören ausdrücken. Denn nur wer wirklich zuhört, kann seine Mitmenschen auch wirklich verstehen. So kann man auf die Bedürfnisse anderer eingehen.

5. Soziale Intelligenz

Im letzten Punkt zur Definition für Emotionale Intelligenz geht es um die Fähigkeit, nachhaltige, glückliche private und berufliche Beziehungen aufzubauen. Diese Beziehungen möchten wir langfristig erhalten und pflegen. Nur wenn wir jedoch uns selbst wahrnehmen und kontrollieren können, ist es uns möglich, unsere Mitmenschen zu verstehen. Und so können wir umgekehrt dann auch die eigenen Bedürfnisse einfühlsam äußern. Hier entstehen im optimalen Falle immer wieder Win-Win-Situationen. So fühlen sich beide Seiten bereichert von einer partnerschaftlichen Beziehung.

Emotionale Intelligenz: Die Definition etwas kürzer gefasst

„Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle und Emotionen zu erkennen, zwischen ihnen zu unterscheiden und diese Informationen zu nutzen, um das eigene Denken und Handeln zu leiten.“

Salovey und Mayer, 1990

Viele Untersuchungen zeigen, dass Emotionale Intelligenz in unserer heutigen Zeit eine notwendige Ressource für unseren (Arbeits)Alltag ist. Nicht nur können wir durch unsere geübte Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion unsere Motive, Werte, Gefühle und Reaktionen erkennen. Wir beschäftigen uns auch mit unseren Zielen und unseren Träumen.

Was treibt uns wirklich an? Nur wenn wir uns selbst motivieren können, so können wir auch andere motivieren. Dies ist die Grundlage einer guten Führungspersönlichkeit. Gepaart mit ausgeprägter Empathie und sozialen Kompetenzen sind dieses wichtige Fähigkeiten in Zeiten des Wandels. In der heutigen Zeit ist dies aber nicht nur eine Anforderung an Führungskräfte. Diese Kompetenzen brauchen wir alle.

Wenn du deine Emotionale Intelligenz weiter ausbauen möchtest, besuche doch mein ganzheitliches Coaching Programm FUTURE READY.